Selbstverteidigung - Was ist erlaubt, wie weit darf ich gehen?

Vielen Dank an bussgeldkatalog.com für den informativen Ratgeber zum Thema "Selbstverteidigung - was ist erlaubt?!"

Unzählige Statistiken berichten von Gewalttaten auf Deutschlands Straßen. Oft geht es dabei auch um Gewalt gegen Frauen, wie bspw. in der jährlich herausgegebenen Polizeilichen Kriminalstatistik. Diese zeigt etwa, dass 2016 insgesamt 133.080 Opfer von Partnerschafts-gewalt registriert wurden – davon 80 Prozent weiblich.

Tatsächlich erfolgen solche gewaltsamen Übergriffe generell am häufigsten nicht von Fremden, sondern durch Bekannte oder gar Verwandte – also von Menschen, von denen es vielleicht am wenigsten erwartet wird. Sich ein wenig mit Selbstverteidigung auszukennen, kann nicht nur deswegen grundsätzlich hilfreich sein.

Aber wann und vor allem bis zu welchem Grad ist Selbstverteidigung erlaubt? Die Rechte, die für die Anwendung von Selbstverteidigung relevant sind, stehen im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) in den Paragrafen 226 bis 231 geschrieben.

Zunächst einmal ist es natürlich erlaubt, sich gegen einen körperlichen Angriff in jedem erforderlichen Maß zu verteidigen. Das BGB sagt im Paragrafen 227, dass eine durch Notwehr gebotene Handlung nicht widerrechtlich ist und dass damit ein gegenwärtiger rechtswidriger Angriff von sich oder einem anderen abgewendet werden darf.

Das bedeutet: Der entsprechende Angriff muss unmittelbar geschehen, bevorstehen oder über längere Zeit andauern. Aus dem Paragrafen geht zusätzlich hervor, dass Notwehr bzw. Selbstverteidigung sich nicht allein auf die eigene Person beziehen muss. Außerdem darf die Maßnahme der Notwehr so gewählt werden, dass der Angreifer auf jeden Fall abgewehrt werden kann. Zwar sollte bei der Wahl der Verteidigungsmethode abgewägt und die möglichst mildeste gewählt werden. Trotzdem dürfen Sie sich für die Ihnen am sichersten erscheinende Methode entscheiden. Dennoch fällt bspw. das weitere Einprügeln auf einen am Boden liegenden Angreifer nicht mehr unter Selbstverteidigung. Dies wird in Paragraf 230 des BGB bestimmt, wenn es heißt, dass die Selbsthilfe nicht weiter gehen darf, als bis zur Abwendung der Gefahr erforderlich ist.

In diesem Zusammenhang ist bei den Gesetzestexten zur Notwehr häufig auch von Verhältnismäßigkeit die Rede. Das bedeutet: Die Maßnahme, die Sie zur Selbstverteidigung wählen, muss im Verhältnis zur Situation stehen. Verpasst Ihnen jemand eine Ohrfeige, wäre es unverhältnismäßig, ihn daraufhin mit einer Waffe zu bedrohen. Verhalten Sie sich nicht verhältnismäßig zur Situation, können Sie auf Schadensersatz verklagt werden.

Zudem kann sich Selbstverteidigung auch auf Dinge (Eigentum) beziehen, bspw. bei Diebstahl. Außerdem ist es erlaubt, fremdes Eigentum zu benutzen, um einen rechtswidrigen Angriff abzuwehren – auch wenn dieses dadurch beschädigt oder gar zerstört wird (Paragraf 228 BGB). Die Beschädigung muss jedoch noch immer im Verhältnis zur Situation stehen.

Situationen, in denen keine körperliche Gewaltanwendung als Notwehr entschuldigt wird, sind bspw.:

-          wenn bei Einbruch der Täter bei Ihrem Anblick direkt die Flucht ergreift.

-          wenn bei unerlaubtem Betritt Ihres Grundstückes Ihrer Aufforderung zu gehen,
          
nicht Folge geleistet wird.

-          psychisches Mobbing.

In solchen Situationen empfiehlt es sich, die Unterstützung bspw. der Polizei oder eines Anwalts anzufordern.

Mehr zum Thema Selbstverteidigung finden Sie unter https://www.bussgeldkatalog.com/selbstverteidigung/ .

 

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